Jubiläum

Ein Gottesdienst in einer vollen Kirche mit vielen Freunden, Gönnern und natürlich Vereinsmitgliedern und danach ein rauschendes Fest in unserem Vereinsheim… das war die Planung zu unserem 5jährigen Jubiläum. Das Fest muss warten. Der Gottesdienst kann glücklicherweise stattfinden und zwar in der für uns wunderbar lichtdurchfluteten Kirche in Riedern a. W. FREUDE!

Texte aus dem Gottesdienst

1. Teil (Gesprochen von Corinna Vogt): Ich sag zur Begrüßung nur ein kurzes und von Herzen kommendes „FREUDE“. Gotteshäuser waren schon immer besondere Orte für Bitten, Schutz, Ruhe, inneren Einkehr, Freude und Trauer, aber auch für dankbare Momente… Wir wollen Euch und Sie mitnehmen auf eine Reise des Dankes.

Ausgehend vom Friedenslicht aus Bethlehem, das im vorigen Monat die SRV Klettgau e.V. das 25. Mal in unsere Gemeinde gebracht hat, dazu konnte die Friedenslichtkapelle wieder in hellem Licht erstrahlen.

Unsere Theaterfiguren aus verschiedenen Stücken singen uns dazu durch die letzten Jahre… Wir erinnern uns an den Sommer 2016 an das Freilichttheater „Im Wind der Zeit“ das zur 1200 Jahrfeier in Ühlingen gespielt wurde und mit dem alles begann…

Ich darf vorstellen: Großherzog Friedrich von Baden, alias Thomas Fechtig. Der Altbürgermeister von Ühlingen Birkendorf steht uns zur Seite seit der Gründung des Vereins.

2. Teil (gesprochen von Thomas Fechtig): Die Gaben Gottes sind wie Funken, die Überspringen und ein Feuer in uns Menschen entfachen. Sie sind Kreativität, aber auch Aufgaben und Verantwortung in und für unsere Zeit. Dessen eingedenk verbinden wir uns jetzt im Herzen mit dem Lied „Freude schöner Götterfunken“

3. Teil (gesprochen von Sebastian Ziller): „Freude“, unser Motivationsruf, ist geboren. Am Ende der sieben Aufführungen von „Im Wind der Zeit“, gibt es viele Tränen. Die 17 Kinder, die mitgespielt hatten, flehen, dass wir weiterhin Theater spielen sollen und unser Großherzog Friedrich von Baden überreicht mir das Buch „Die Amerikafahrt“ von Heinrich Ernst Kromer… So beginnt eine große Fahrt,deren Etappen sich niemand vorstellen konnte und deren Ziel unbekannt ist…

Am 16. Januar 2017, heute vor genau fünf Jahren, wurde unser Kultur- und Theaterverein Zeitschleuse e.V. gegründet. Während wir bereits mitten in Recherchen zum großen Freilichttheater „Zwischen den Welten“, frei nach dem Buch „Die Amerikafahrt“ stecken, proben wir gleichzeitig mit unserer Jugend für das von Erika Buhr selbstgeschriebene Integrationsstück „Fremde Begegnung“. Das Lied „We are the world“ erinnert dankbar an zehn wunderbare Aufführungen, die wir in neun verschiedenen Gemeinden quer durch den Landkreis zur Aufführung bringen konnten.

4. Teil (gesprochen von Corinna Vogt): Ist da jemand? Ein Lied aus „Vollmondnacht“, einem Theaterstück, über Drogen, das wir als Gemeinschaftsprojekt mit der Alemannenschule Wutöschingen 2018 inszenieren, während wir parallel verschiedene VHS-Kurse durchführen.

Die große Fahrt nimmt wunderbare Formen an…

Für „Zwischen den Welten“ wird unsere „Rouenaise“, das maßstabsgetreue Auswandererschiff anni 1850 von Holzbau Bruno Kaiser geplant, gebaut, in den Klostergarten gebracht und schlussendlich feierlich getauft.

Ein SWR–Filmteam begleitet uns während dieser Höhepunkte viele Tage und macht daraus einen 45-minütigen Film für Landleben 4.0.

Dankbar sind wir über Ehrungen für Autorin und Regisseurin, durch den Landesverband Amateurtheater Baden Württemberg e.V..

Herr Erzbischof Georg Gänswein übernimmt die Schirmherrschaft von „Zwischen den Welten“, gemeindeübergreifendes Zusammentun zum Beispiel mit Häusern findet genauso statt wie Kontaktaufbau zu Nachfahren unserer Figuren aus „Zwischen den Welten“ in Amerika. Die schlussendlich auch tatsächlich dann 2019 zu unseren Aufführungen anreisen.

5. Teil (gesprochen von Corinna Vogt): 10 früh ausverkaufte Aufführungen von „Zwischen den Welten“ mit über 5000 Zuschauern – unser Sommermärchen 2019. Während unter anderem an einem Aufführungsabend in Bonndorf das Schlossfest evakuiert wird und in Grafenhausen die Straßen überflutet sind, geht über dem Kloster Riedern nur ein leichter Schauer nieder und wir spielen… FREUDE und große Dankbarkeit!

Minister Lucha ist zu Besuch, die Alemannenrocker Luddis rocken an einem Abend zwischen den Aufführungen auf dem Kulissenschiff „Rouenaise“ und taufen so ihre neue CD.

2019 freuen wir uns weiter über den Ehrenamtsfonds des Landkreises und sind überwältigt, dass wir einen Platz, sogar Ehrenplatz im Kreisjahrbuch bekommen.

Während wir drei Jahre lang sozusagen heimatlos waren. Mit den Kids in der ev. Kirche, im Berghof, bei mir zu Hause geprobt haben, ziehen wir nun in die Denkmalstrasse in Riedern in das ehemalige Ausstellungsgebäude von Max Gromann und entscheiden uns, „Zwischen den Welten“ im kommenden Jahr noch einmal zu spielen und zwar leicht überarbeitet, etwas gekürzt und mit ein paar neuen Szenen.

Ich trage deshalb in diesem Gottesdienst das Hochzeitskleid von Marei Maurer.

6. Teil (gesprochen von Sebastian Ziller): Unglaubliches passiert. Im Frühjahr 2020 sind Proben und Gemeinschaft von einem Tag auf den andern nicht mehr möglich. Statt gemeinschaftliche Aktionen renovieren Handwerker des Vereins unser Vereinsheim.

Die Einweihung mit großem Fest sollte bald folgen – steht allerdings coronabedingt heute noch aus.

Die für Sommer 2020 geplanten Aufführungen von „Zwischen den Welten“ fallen der Pandemie zum Opfer. Dafür können aber verschiedene Gottesdienste begleitet werden und Märchenszenen geschrieben, mit den Kindern und Jugendlichen einstudiert und über 160 Kostüme gefertigt werden. Die für Herbst 2020 geplanten Aufführungen von „Wanderung im Märchenwald“ können aber auch nicht stattfinden.

Mit Hilfe eines großen Unterstützers werden 45 Bilder von Heinrich Ernst Kromer aus der Sammlung von Anna Ebner erworben.

Den zweiten Lockdown im Frühjahr 2021 nutzen wir für Recherchen bezüglich der Friedenslichtkapelle.

Das Stück „Der Sandmann“ für ein kleines Ensemble wird ausgesucht und am Ende des 2. Lockdowns begonnen zu proben. Das Freilichtspiel „Zwischen den Welten“ muss noch mal ein Jahr verschoben werden, dafür können wir aber in Häusern im Oktober 2021 „Wanderung im Märchenwald“ mit 40 Kindern und Jugendlichen aufführen. Dafür wurden, da Jungs in den Stimmbruch kamen und die Kinder gewachsen waren, Lieder und Kostüme angepasst.

Unserer Autorin, Erika Buhr wird in Radolfzell die Heimatmedaille Baden-Württembergs verliehen.

Im November 2021 kann „Der Sandmann“ in Grafenhausen und Bonndorf gespielt werden.

Zum Ende des letzten Jahres konnten wir unser Vereinsheim kaufen, während wir einige Monate zuvor das angrenzende Grundstück von Walter Rehm geschenkt bekommen haben.

Lesung (Mt 11,16-19) gesprochen von Edith Brogle und Pater Christoph:

In jener Zeit, als Johannes der Täufer ins Gefängnis geworfen worden war, sprach Jesus zu der Menge. Mit wem soll ich diese Generation vergleichen? Sie gleicht Kindern, die auf den Marktplätzen sitzen und anderen zurufen: Wir haben für euch auf der Flöte gespielt und ihr habt nicht getanzt; wir haben die Totenklage angestimmt und ihr habt euch nicht an die Brust geschlagen. In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Johannes der Täufer ist gekommen, er isst nicht und trinkt nicht und sie sagen: Er hat einen Dämon. In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge: Der Menschensohn (er, Jesus) ist gekommen, er isst und trinkt und sie sagen: Siehe, ein Fresser und Säufer, ein Freund der Zöllner und Sünder! Und doch die Weisheit (Gottes) hat durch ihre Taten Recht bekommen.

Ansprache (gesprochen von Pater Christoph)

Ich freue mich mit Ihnen, dem Theaterverein, Freunden, Vertreter und Vertreterinnen der Öffentlichkeit und der Presse, diesen Dankgottesdienst in dieser wunderschönen Barockkirche in Riedern – die ja selbst ein in Stuck und Farben gestaltetes himmlisches Theaterspiel ist – feiern zu können.

Wir danken Gott für die Gabe des Kunstschaffens, die wir Menschen ja selbst ein Kunstwerk Gottes sind. Wir sind berufen seine Mitspielerinnen und Mitspieler zu sein in seinem großen Werk der Erlösung der Welt, wenn wir es denn recht verstehen und mitspielen wollen.

Das Verhältnis von Glaube und Kultur, Kirche und Kunst ist eine spannungsvolle Geschichte von Anbeginn des Menschseins. Es trägt wesentlich zur Überlieferung und Entfaltung des Menschseins seit prähistorischen Zeiten bis heute bei. Der Glaube wurde durch die Kulturschaffende Begabung des Menschen zu allen Zeiten und in allen Völkern inspiriert und inspiriert diesen selbst. Lange Zeit nannte man die Kirche auch „Die Mutter der Künste“. Sie war und ist Auftraggeberin besonders für die künstlerische Vermittlung der Botschaft des Glaubens. Sie aber auch selbst Motiv und Inspirationsquelle für die Kunst. Diese Beziehung ist wesentlich geprägt von Zusammenhang und Entfremdung, von Begeisterung und Abstoßung.

Das Verhältnis von Glauben und Kultur wurde in grundlegender Weise in jüngerer Zeit durch das II. Vatikanische Konzil dargelegt. Die Welt ist eine eigenständige Wirklichkeit mit ihren Eigengesetzlichkeiten. Dadurch ist die Autonomie der Kultur begründet. Diese Autonomie ist kein Protest gegen Gott oder die Kirche; sie ist vielmehr Mitverantwortung für die Welt, die dem Menschen in Freiheit übergebene Schöpfung zur Schaffung von Kultur anvertraut ist.

Das Verhältnis der Kirche und Kultur kann als Zuwendung, Öffnung und Dialog verstanden werden. Das bedingt, dass die Kunst wie auch die Religion frei sein muss, um sich fruchtbar entfalten zu können. Wo es um eine verantwortliche künstlerische Freiheit geht, muss die Kirche immer Partnerin sein, eine Partnerin in der Sorge um die Freiheit und Würde des Menschen sowie für alle Mitgeschöpfe.

Der Mensch ist Bild und Gleichnis Gottes. Dies trifft in besonderer Weise für die künstlerische Begabung zu. Mit ihr formen und gestalten wir die Welt. Sie ist nicht eine bloße Abbildung der Oberfläche. Künstler ”verdichten“ im ursprünglichen Sinn des Wortes die Wirklichkeit. Sie sollen in Bild, Wort, Ton und Gestaltung das Wahre, Gute und Schöne, das in jedem Geschöpf innewohnt, aufleuchten lassen, auch im Blick auf die menschlichen Abgründe, das Böse. Das größte Thema der Kunst wie auch der Kirche ist der Mensch als Abbild Gottes und seine Geschichte. So formuliert das II. Vatikanische Konzil: ”Christus, macht dem Menschen den Menschen selbst voll kund und erschließt ihm seine höchste Berufung“.

Die gemeinsame Verantwortung von Kunst und Glaube besteht darin, dass beide den Menschen aus fremder Knechtschaft befreien und ihn zu sich selbst und damit zu Gott führen wollen. Sie eröffnen ihm den Raum der Freiheit – Freiheit von den Zwängen des Kommerzes, des Nutzens oder der Leistung allein. Dazu gehört auch die Freiheit der Darstellung einer zur Karikatur entarteten Welt und Abbau von Tabus, sowie auch die Darstellung des Bösen in seinen Formen und Gestalten, da das Böse eine Realität ist, ohne die wir die Realität des Guten nicht ermessen können.

Nirgends werden die Lebenssituationen, die Gefühle und der Fragehorizont der Menschen so eindrucksvoll dargestellt wie in der Kunst. Darauf lässt sich auch die Kirche ein, wie sie andererseits auch die Kunst zur Vermittlung ihrer Botschaft benutzt um die Menschen zu erreichen. Die Kunst bewirkt Freude und Staunen, Wissensvermittlung und Veränderung von Einstellungen. Sie prägt Normen und Verantwortung. So übt sie einen unverzichtbaren Beitrag zum gesellschaftlichen und religiösen Leben von uns Menschen aus gemäß unserer Verantwortung für eine freiheitliche, gerechte und friedvolle Welt bei.

(Vergleiche Ansprache von Johannes Paul II. an die Publizisten und Künstler bei seinem Pastoralbesuch in der Bundesrepublik Deutschland, München, 19.11.1980 sowie die Konstitution Gaudium et Spes über Die Kirche in der Welt von heute, 2. Kapitel über die richtige Förderung des kulturellen Fortschritts des 2.Vatikanischen Konzils, 1965.)

Fürbitten (gesprochen von Josef Kraft):

 

  1. Herr wir bitten dich, lass uns Christen, deine Kirche einander achten und einander anspornen zur Liebe und zu deinen Werken.
  2. Wir bitten um Ehrlichkeit und Empathie für alle, die politische Verantwortung tragen. Herr stehe den Regierenden bei, die Freiheit, Würde und Rechte aller Menschen zu ermöglichen und zu schützen.
  3. Gott, unser Vater, es gibt viele Arten der Ausgrenzung. Wir bitten dich für die in ihren Lebensbereichen Diskriminierten und Ausgestoßenen. Stärke uns im solidarischen Miteinander mit deiner Liebe, damit wir Angst und Verachtung überwinden können.
  4. Herr, wir bitten für unsere Theatergemeinschaft, dass wir stets an einem Strang ziehen mögen. Weise uns den Weg, auf dem wir alle unsere Begabungen voller Freude entfalten und einbringen können.
  5. Gerade an einem Freudentag wie diesem, möchten wir uns an die Menschen erinnern, die nicht mehr unter uns sind. Wir bitten Dich, lass uns immer liebevoll der Verstorbenen gedenken, die uns auf unserer Reise begleitet haben und führe sie zum Ziel bei dir.

Jubiläumsgottesdienst auf YouTube

Coronabedingt konnten leider nicht alle Freunde, Gönner und Vereinsmitglieder an unserem Jubiläumsgottesdienst dabei sein. Daher haben wir uns entschieden den gesamten Gottesdienst aufzunehmen und auf YouTube hochzuladen. Wir bedanken uns bei allen, die dabei waren, sowohl physisch, als auch in Gedanken. Vielen Dank Pater Christoph für die wunderbare, gemeinsame Vorbereitung und Gestaltung. Da gerade in dieser Zeit mit all den Masnahmen sich besondere Herausforderungen darstellen, wissen wir es umso mehr zu schätzen!

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